Die Mandora, häufig mit französisch Mandore und gelegentlich mit italienisch Mandola gleichgesetzt, ist der Oberbegriff einer Reihe unterschiedlicher historischer Lauteninstrumente von einer Tenor-Mandoline im 16. Jahrhundert bis hin zu einer Basslaute im 18. Jahrhundert.
Die Mandora ist ein seit 1235 in der Provence nachgewiesenes und war ein ursprünglich viersaitiges Instrument. In der Renaissancezeit bezeichnet der Name eine kleine, vier- oder fünfchörige Laute (auch Diskantlaute). Michael Praetorius nannte sie in seinem Werk Syntagma musicum (1615–1619) Mandürchen (was weitgehend der Quinterne entsprach). Sie war wahrscheinlich die Vorläuferin der Mandoline. Namens- und formverwandt ist auch die seit dem 18. Jahrhundert gebaute Mandola. Die meisten hatten 3 oder vier Chöre von Darmsaiten, die über 7 bis 9 Bünde auf einem flachen Griffbrett zu einem zurückliegenden geschnitzten Wirbelkopf liefen. Die Mensur war etwa halb so lang wie die Laute, und später wurden Saiten in Doppelgängen hinzugefügt. Im 17. Jahrhundert gab es die vierchörige Mandore mit der Stimmung e - c - g' c' statt der Normalstimmung g - c - g' - c'.
Ab etwa 1650 begannen die Mandoren mit 5 oder 6 Gängen Doppelsaiten auszusterben, aber die Sopranversion wurde als Mandolino bekannt und entwickelte sich weiter (gg) (bb) e'e' a'a' d"d" g"g". Sie ist das Instrument von Vivaldis Mandolinenkonzert.
Nach 1700, am Übergang zur Rokokozeit, bezeichnet Mandora ein Lauteninstrument mit ca. 70 cm Mensur und sechs Chören. Auch Instrumente mit sieben, acht oder neun Chören sind erhalten. Die Mandora war meist ähnlich der Gitarrenstimmung in E gestimmt (e' - h - g - d - A - G) oder in D (d' - a - e - c - G - F). Die Bezeichnung des Instrumentes wechselt allerdings zwischen Mandora, Mandore, Gallichone, Colascione. Kurz vor 1800 fand ein „Ringtausch“ zwischen Mandora und Gitarre statt. Die Gitarre übernahm die sechste Saite und die Stimmung der Mandora (e' - h - g - d - A - G, später auch e' - h - g - d - A - E). Die Mandora übernahm von der Gitarre die inzwischen eingeführte Besaitung mit einzelnen Saiten statt Chören.
Mandora, um 1780, Frankreich, anonym Germanisches Nationalmuseum |
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